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... info Boddenfischer
Zum Frühstück Aal und starken Kaffee, und dann rein ins Boot. Jeden Wintermorgen fahren die Grählerts zum Fischen auf den Barther Bodden, im Sommer auch hinaus auf die offene Ostsee. Vater Horst verkörpert die vierte, Sohn André die fünfte Generation dieser kleinen Fischerdynastie, Mutter und Tochter führen das Geschäft in Pruchten bei Zingst. Niemand, der die Grählerts auch nur flüchtig kennt, könnte sich vorstellen, daß sie je etwas anderes machen würden als Fische fangen, Fische zubereiten und Fische verkaufen.
Bodden sind die Lagunen des Nordens: flache Buchten, die durch Sperriegel aus Inseln und Landzungen vom Meer abgeschirmt werden. Eine amphibische, brackige Welt. Ein natürlicher Spiegel, auf dem das Ebenbild des Himmels schimmert.
Windstärke sechs, mit Regenböen. Spitze Wellen, der Bodden ein See aus grünem Schaum. Grählerts kontrollieren die Stellnetze: schlauchartige Trichter, aus denen es kein Entrinnen gibt. Bis zu hundert Meter lang, aber nur anderthalb Meter hoch – tiefer ist der Bodden kaum. Für die flachen Partien hat selbst der alte Kutter Paula schon zu viel Tiefgang, deshalb nehmen sie zwei Beiboote ins Schlepptau. Nach drei Stunden kräftezehrender Arbeit, allein mit ihren Gedanken und der aufgewühlten See, haben sie eine Kiste voll zappelnder Zander beisammen, dazu ein paar Brassen und Hechte.
Auch etliche Aale sind darunter, doch davon haben sie noch genügend im Geschäft. Und so stecken sie sie in ein Sacknetz und versenken es im Bodden, als wär’s der Nibelungenhort. Nur ein unscheinbarer Stab markiert die Stelle – nicht daß ihnen jemand den Fang stibitzt. „Übermorgen holen wir sie raus.“

Text von Stefan Schomann, erschienen bei MAGDA.de–Magazin der Autoren im März 2010
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